Hand aufs Herz

10.06.2026
-   Allgemein | Krise | Transformation

Wie viel Energie arbeitet in Ihrer Organisation noch für Zukunft?
Und wie viel nur noch an der Bewältigung der Gegenwart?

Gespräche mit Unternehmern führen aktuell früher oder später an denselben Punkt.
Gerade gestern wieder:
„Für Innovation fehlt das Geld.“
Ein Satz, in dem derzeit vieles zusammenläuft.

Gleichzeitig frage ich mich, ob wir einen anderen Engpass unterschätzen.

Wir diskutieren permanent über fehlende Ressourcen.
Parallel verwenden wir enorme Energie darauf, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Mit Aktivitäten, die keine Zukunft erzeugen.

Wir haben eine hochprofessionalisierte Problembeschreibung entwickelt.
Wir haben Prozesse für nahezu alles.
Wir bewerten Risiken. Sichern ab. Organisieren Komplexität. Und kommunizieren oft mehr, als wir Orientierung schaffen.
Manchmal so präzise, dass am Ende alles erklärt ist.
Nur verändert hat sich nichts.

Wie viel von dem, was uns lähmt entsteht durch Aktionismus?
Wie viel von dem was uns ausbremst, durch Strukturen und Routinen, die wir selbst geschaffen haben?
Erkennen wir den Moment, in dem Organisationen beginnen, ihre Energie gegen sich selbst zu richten?

Der Teil, der oft fehlt: Was machen wir jetzt damit?

Studien gehen davon aus, dass rund 25 bis 40 Prozent der Management- und Organisationsenergie in Abstimmung, Koordination, Reaktion und Außenbewältigung fließen. Ein gewaltiger Anteil.

Und wir richten die Aufmerksamkeit auf das, was andere tun müssten.
Märkte. Politik. Regulatorik. Wettbewerber. Die eigene Organisation.
Veränderung beginnt an einer unbequemeren Stelle: Was liegt in meinem Einflussbereich?

Die mitunter ehrlichste Frage überhaupt: Wann sind wir bereit, die Konsequenzen aus dem zu ziehen, was wir längst wissen?
Bis wohin versuchen wir, mit denselben Mustern noch eine Runde weiterzukommen?
Obwohl der Ertrag dieser Energie gegen Null läuft.
Und wir beginnen, von der Substanz zu leben.

Vor Kurzem habe ich eindrucksvoll das Gegenteil erlebt, ein kurzes Aufblitzen von Zukunft. Ein Moment, in dem plötzlich etwas entsteht. Eine Idee. Eine Entscheidung. Eine neue Perspektive. Ein Team, das andockt. Vom Verwalten ins Gestalten. Der Raum verändert sich. Die Energie. Die Geschwindigkeit. Die Körperhaltung.

Vielleicht fehlt uns nicht zuerst Geld.
Vielleicht fehlt uns der Blick auf die Energie, die wir jeden Tag binden.
Vielleicht beginnt Wertschöpfung damit, die Realität anzuerkennen.

Dieselbe Energie, die heute in Problembeschreibungen, Absicherung und dem Ankämpfen gegen das, was ist, fließt, kann Innovation und tragfähiges Wachstum antreiben.

Hin zu dem, was möglich wird, wenn unsere Kraft wieder Richtung Zukunft arbeitet.